Den Auftakt unserer Themenreihe begingen wir Ende Juli im Gemeinschaftsbüro Impact Hub Dresden. Eingeladen war unter anderem Dr. Gisela Notz aus Berlin. Hier ein kleiner Rückblick auf ihren Vortrag.

Bild Dr. Gisela Notz

Dr. Gisela Notz

Dr. Gisela Notz ist Historikerin und Sozialwissenschaftlerin und früher selbst in einer Gemeinschaft aufgewachsen, die bereits ihr Großvater gründete.

In ihrem Referat ordnete sie die neusten Entwicklungen des Gemeinschaftslebens historisch in die Gewerkschaftsbewegung ein und stellte verschiedene historische Persönlichkeiten und Bewegungen vor, die – bereits bevor überhaupt Begriffe wie Cohousing bekannt waren – ähnliche Ideen und Ideale vertraten.

Da waren: Charles Fourier (1772-1837), Vertreter des Frühsozialismus und scharfer Kritiker des Kapitalismus; der sozialistische Politiker und Publizist August Bebel (1840-1913), der in seinem Buch „Frau und der Sozialismus“ (1879) eine Gemeinschaftsutopie entwarf; Lily Braun (1865-1916), die sich für das „Einküchenhaus“ als Alternative zum kleinfamiliären Haushalt engagierte und Helene Stöcker (1869-1943), die mit ihrer „Neuen Ethik“ ein selbstbestimmtes, selbstverantwortliches Leben von Frau und Mann forderte.

Auch das anarchistische Modell des Zusammenlebens, das von Gustav Landauer (1870-1919) weiterentwickelt wurde, ist in Vorstellungen von Gemeinschaft eingegangen. Menschen mit gleicher Gesinnung, die einen emanzipatorischen Gemeinschaftsansatz vertreten, steigen allmählich aus der kapitalistischen Gesellschaft aus. Aus freier Entscheidung wollen sie das „richtige Leben im Falschen“ leben und sich im Spielraum zwischen selbstbestimmter Individualität und kollektivem Rückhalt gesellschaftlichen Anpassungszwängen widersetzen.

Volles Haus im Impact Hub Dresden zum CoHousing Auftaktabend

Als Vorzeige-Gemeinschaft nennt Gisela Notz die Kommune Niederkaufungen, die – 1986 gegründet – schon beträchtliche Jahre Gemeinschaftserfahrung haben. Circa 60 Erwachsene und 20 Kindern leben derzeit in insgesamt 13 Wohngemeinschaften. „Die Kommune versteht sich als lebendiges Experiment eines alternativen Lebensstils. Wir möchten ohne Hierarchie solidarischer und ökologisch nachhaltiger miteinander leben und arbeiten lernen“, heißt es auf deren Webseite. Sie haben Kindererziehung, Tagespflege und Kochen aus der Nische der unbezahlten Hausfrauenarbeit zu einem professionellen Arbeitsbereich neben Verwaltung, Biogemüseanbau und Forschung festgesetzt. Sie gehen sogar soweit, dass sie Privateigentum künftig aufheben wollen.

Danke für diese spannenden Einblicke, liebe Gisela Notz. Ein Rückblick zu weiteren Themenabenden folgt.

Mehr zu Gisela Notz findet ihr hier.

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